05.05.2026

„Pharmalogistik ist ein ständiges Austarieren unterschiedlichster Faktoren – denn am Ende muss die Versorgung mit Arzneimitteln nicht nur sicher und schnell, sondern auch wirtschaftlich sein.“
Markus Wagner liebt es, Neues kennenzulernen: neue Menschen, neue Technik, neue Aufgaben. Dafür hat er genau den richtigen Beruf: Er leitet die Transportlogistik einer pharmazeutischen Großhandlung in Koblenz. „Mein Job ist, dass die Auslieferungsfahrten an die Apotheken optimal geplant sind und möglichst reibungslos ablaufen“, erklärt er. „Das ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.“
Markus Wagners Arbeitsstelle ist ein Dreh- und Angelpunkt im Alltagsgeschäft eines vollversorgenden Pharmagroßhändlers. Im Durchschnitt beliefert dieser jede Apotheke drei Mal am Tag. So bekommen Patientinnen und Patienten ihre Medikamente in der Regel innerhalb weniger Stunden. Im Moment der Bestellung wird den Apotheken ein genaues Zeitfenster für die Lieferung angekündigt – ab dann arbeiten Wagner und seine Kolleginnen und Kollegen gegen die Uhr. Das betrifft eine möglichst schnelle Kommissionierung, also die Bereitstellung der Ware, aber auch eine ausgeklügelte Tourenplanung: Wie viele Apotheken werden pro Fahrt beliefert und wie können Umwege vermieden werden?
Die Tourenplanung erfolgt IT-gestützt und minutengenau. „Ein enormer Fortschritt gegenüber früher“, sagt Wagner. Doch nicht jede Baustelle oder Unfallsperrung wird von dem Programm sofort erkannt. Wagner erfährt davon oft erst durch die Fahrerinnen und Fahrer. Er vertraut auf deren Erfahrung und plant die Routen kurzfristig um: „Die Fahrer rufen mich an und sagen: Lass uns nicht die ausgeschilderte Umleitung nehmen, da ist es im Berufsverkehr total verstopft. Wir sind schneller, wenn wir durch den Nachbarort fahren – so etwas sagt einem keine IT.“
Anpassungsbedarf gibt es auch, wenn Wagners Unternehmen eine Apotheke als neuen Kunden gewinnt – oder wenn wieder einmal eine Apotheke schließt. Die Zahl der Apotheken geht seit Jahren zurück, bundesweit und auch in Wagners Ausliefergebiet. Manche Strecke von einer Apotheke zur anderen wird dadurch länger, manchmal bis an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit. „Pharmalogistik ist ein ständiges Austarieren unterschiedlichster Faktoren“, so Wagner. „Am Ende muss die Versorgung mit Arzneimitteln nicht nur sicher und schnell, sondern auch wirtschaftlich sein.“
Effiziente Tourenplanung ist aus seiner Sicht nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein Gebot der Nachhaltigkeit. Das gilt ebenso für den Fuhrpark, den Wagner verantwortet. Darum hat er sich intensiv mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen auseinandergesetzt. „E-Mobilität ist die Zukunft,“ ist er überzeugt. „Wir haben eine Verantwortung – auch mit Blick auf Schadstoffemissionen.“ Deshalb versorgt eine Solaranlage den Standort mit Strom.
Elektrische Fahrzeuge haben sich im pharmazeutischen Großhandel allerdings noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Grund sind die geringen Reichweiten und die sehr energieintensive Klimatisierung. Der Pharmagroßhandel hält die EU-weiten Leitlinien für die Gute Vertriebspraxis (GDP) genauestens ein, inklusive strenger Temperaturanforderungen. Die Qualität und Wirksamkeit der Arzneimittel hängen davon ab. Eine einzige von Wagners Touren kann jedoch 250 Kilometer umfassen, bis in den Hunsrück oder tief in die Eifel – mit einem ausschließlich E-betriebenen, temperaturgeführten Fahrzeug ist das derzeit noch nicht zu machen.
Ebenso wichtig wie die Technik ist, dass die Transporteure und die Fahrerinnen und Fahrer alle regulatorischen Vorgaben kennen und einhalten. Markus Wagner legt deshalb großen Wert darauf, dass sie gut geschult und qualifiziert sind: „Die Fahrer sind unser Aushängeschild bei den Apotheken. Und Krebsmedikamente, Impfstoffe oder Betäubungsmittel sind spezielle Produkte und damit auch eine große Verantwortung.“
Für Markus Wagner ist Tourenplanung eine Herausforderung, die täglich Neues bietet – und vor allem eine erfüllende Tätigkeit. Denn von der schnellen und sicheren Arzneimittelbelieferung hängt die Gesundheit von Patientinnen und Patienten ab.
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