Nächste Generation im Blick: Ein Ausbilder im Pharmagroßhandel berichtet


18.05.2026

„Wir gehören zur kritischen Infrastruktur. Das wollen wir auch unseren Auszubildenden mitgeben.“

Lukas Krüss

Ausbildungsleiter im Pharmagroßhandel

Frühmorgens beginnt in einem Vertriebszentrum des Pharmagroßhandels in Hamburg die Arbeit. Lieferungen treffen ein, Waren werden geprüft, sortiert und weitergeleitet. Bestellungen aus Apotheken müssen innerhalb kurzer Zeit zusammengestellt werden, damit Medikamente schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Für die meisten Menschen bleibt dieser Teil der Versorgung unsichtbar. Für die Auszubildenden im Pharmagroßhandel aber ist er Alltag – und oft der erste große Aha-Moment, wenn sie ihre Ausbildung beginnen. Die schiere Dimension und Vielfalt an Produkten am Lager und die damit verbundenen logistischen Herausforderungen sind eben beeindruckend. 

Lukas Krüss kennt diese Reaktion. Als Ausbildungsleiter im Pharmagroßhandel begleitet er junge Menschen dabei, in diese Arbeitswelt hineinzuwachsen. „Im Pharmagroßhandel geht es schnell darum, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Für die eigene Arbeit, vor allem aber auch für die Patientinnen und Patienten, die auf eine verlässliche Arzneimittelversorgung angewiesen sind.

„Wir gehören zur kritischen Infrastruktur“, betont er. „Das wollen wir auch unseren Auszubildenden mitgeben.“ Diese Perspektive hat er selbst als Auszubildender entwickelt. „Vorher konnte ich mir unter ‚Pharmagroßhandel‘ relativ wenig vorstellen“, sagt er. „Aber wenn man einmal versteht, wie wichtig diese Schnittstelle ist und dass die Gesundheit von Menschen davon abhängen kann, bekommt die eigene Arbeit eine ganz andere Bedeutung.“

An seinem Standort durchlaufen Auszubildende vor allem logistische Bereiche, vom Wareneingang über die Lagerhaltung bis zur Kommissionierung. Im Mittelpunkt steht dabei die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Zusätzlich werden Fachlageristinnen und Fachlageristen ausgebildet. Insgesamt betreut Lukas Krüss zwischen fünf und acht Auszubildende (darunter auch Liam und Mohammed, die auf dem Foto zu sehen sind). Und das mit einem klaren Ziel: „Wir versuchen, die Auszubildenden so schnell wie möglich in die eigenständige Arbeit zu bringen“, erklärt Krüss. So entwickeln sie Sicherheit, und das Verständnis für die Zusammenhänge wächst mit.

Neben dem Willen, präzise und genau zu arbeiten, zählen auch die persönlichen Fähigkeiten der Auszubildenden. „Für uns sind vor allem Sozialkompetenzen entscheidend“, betont Krüss. Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und ein Bewusstsein für die eigene Rolle im Gesamtprozess prägen den Arbeitsalltag und haben auch einen Einfluss darauf, dass sich die Ausbildung selbst verändert. „Früher wurden alle Auszubildenden gleich ausgebildet“, sagt Krüss. „Heute schauen wir genauer hin, wo die Stärken liegen.“ Die Regelausbildungszeit von drei Jahren lässt sich deshalb manchmal auf zweieinhalb Jahre verkürzen – das letzte halbe Jahr nutzt dann das Team, in dem die Auszubildenden arbeiten, für den Feinschliff. Digitale Angebote unterstützen den Prozess, zentral ist und bleibt aber die persönliche Betreuung.

Eine Herausforderung bleibt die Nachwuchsgewinnung, denn der Wettbewerb um Auszubildende ist groß. Umso wichtiger ist Krüss: „Wer hier anfängt, soll bleiben.“ Deshalb setzt er auf persönliche Kontakte – Schulveranstaltungen, Praktika, direkte Begegnungen. In persönlichen Gesprächen erklärt er immer wieder: Wer sich bei der Berufswahl für den Pharmagroßhandel entscheidet, findet Verantwortung, Perspektive und einen sicheren Arbeitsplatz in einer Branche, die wirklich gebraucht wird.

Für die Zukunft wünscht sich Lukas Krüss, dass der Pharmagroßhandel in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird. „Am Ende ist es immer eine Entscheidung von beiden Seiten“, sagt er. „Wir entscheiden uns für unsere Auszubildenden – aber unsere Auszubildenden entscheiden sich auch für uns.“

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