Apotheken und pharmazeutischer Großhandel: Kurzer Draht und ganzer Einsatz


22.07.2026

„Es zählen nicht nur die Konditionen, sondern immer auch das Menschliche.“

Martina Gläser (links)

Außendienst im Pharmagroßhandel

Eine Nachricht auf dem Handy von Martina Gläser: Apothekerin Susanne Bormann braucht 30 Vitamin-D3-Tests, kurzfristig, für einen Testtag in ihrer Apotheke. Das Problem: die Tests sind schwer zu beschaffen. Gläser, Außendienstlerin eines vollversorgenden Pharmagroßhandels, geht direkt ans Werk. Einige Stunden später ist klar: der Testtag kann stattfinden.

Direkt, vertrauensvoll, schnell – so erleben Großhandel und Apotheken ihre Zusammenarbeit. „Es zählen nicht nur die Konditionen, sondern immer auch das Menschliche“, sagt Gläser. Im Zentrum steht dabei der gemeinsame Auftrag: die Versorgung der Patientinnen und Patienten. „Hier geht keiner raus, ohne dass wir eine Lösung gefunden haben“, sagt Apothekerin Bormann. Ist ein Medikament nicht lieferbar, wird so lange gesucht, bis eine Alternative gefunden ist. Der Großhandel bringt es dann meist innerhalb weniger Stunden.

Apotheken in ihrer tragenden Rolle für die Gesundheitsversorgung zu unterstützen, das treibt Martina Gläser an. Denn der Druck im Markt wächst: Der Versandhandel zieht Umsatz aus den Apotheken vor Ort, die Kosten steigen, die Margen sinken, bürokratische politische Vorgaben nehmen zu. „Deshalb wird es immer wichtiger, dass wir als Außendienst den Apotheken unsere Beratungsleistung anbieten. Mit wirtschaftlichen Analysen, digitalen Servicetools und einem breiten Weiterbildungsangebot“, so Gläser. Für Apotheken, die sich breit aufstellen, sieht sie auch weiterhin viele Chancen. Ein gutes Beispiel sei Susanne Bormanns eigene Apotheke: mit Präventionsangeboten, DNA-Tests, Medikationsanalysen. „Apotheken entlasten am Ende das Gesundheitssystem“, sagt Bormann. Bei der Umsetzung solcher Ideen sei der Großhandel ihr wichtigster Partner.

Jede Apotheke müsse auf ihr Potenzial schauen und ihren eigenen Weg gehen, sagt Martina Gläser. Dass Susanne Bormanns Apotheke ein Vorzeigeprojekt sei, liege nicht zuletzt an der Inhaberin selbst: „Sie ist innovativ, sie ist leidenschaftlich, sie hat ganz viel Herz.“ Manche Rentnerinnen und Rentner kommen zwei- oder dreimal pro Woche. Man kennt sich, man redet, man fragt nach den Enkeln. Genau diese Nähe und damit eine wichtige soziale Anlaufstelle falle weg, wenn Apotheken schließen müssten, sagt Bormann.

Die Apothekerin und die Großhandelsmitarbeiterin haben eine ähnliche Vorstellung davon, wie es weitergehen soll. Sie wünschen sich, dass das gewohnte Niveau der Verfügbarkeit erhalten bleibt. Apotheken und Großhandel stehen gemeinsam dafür ein, dass Patientinnen und Patienten jedes nachgefragte Arzneimittel innerhalb kürzester Zeit erhalten. Susanne Bormann weiß: Dazu muss auch der Großhandel finanziell so ausgestattet sein, dass er seine Aufgabe weiter erfüllen kann. „Man kann uns nicht ausquetschen wie eine Zitrone und hinterher erwarten, dass das System funktioniert“, sagt sie.

Doch was braucht es, damit diese gemeinsame Aufgabe wirklich gelingt? „Man muss sich auf Augenhöhe begegnen“, sagt Susanne Bormann. Nur so entsteht die Partnerschaft, die notwendig ist, um eine Versorgungsstruktur zu sichern, auf die man sich verlassen kann. Für heute und für die kommenden Jahre.

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