Faire Wettbewerbsbedingungen im Fokus von expopharm und Deutschem Apothekertag


Die expopharm und der Deutsche Apothekertag (DAT) in München standen in diesem Jahr im Zeichen der inzwischen abgeschlossenen Apothekenreform. Mit ihr wurden wichtige Weichen für die Vor-Ort-Versorgung gestellt. Dazu gehört insbesondere die Anhebung des Apothekenpackungsfixums: Seit Juli erhalten Apotheken 9 Euro je verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung, zum Jahreswechsel steigt der Betrag auf 9,50 Euro.

Der PHAGRO-Vorsitzende Marcus Freitag begrüßte bei der Podiumsdiskussion zur Eröffnung der expopharm die wirtschaftliche Stärkung der Apotheken. Zugleich machte er deutlich, dass für eine dauerhaft leistungsfähige Arzneimittelversorgung die Rahmenbedingungen für den vollversorgenden pharmazeutischen Großhandel in den Blick genommen werden müssen. Inzwischen sind rund 65 Prozent der ausgelieferten Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel für den Großhandel nicht mehr wirtschaftlich.

Podiumsdiskussion zur Eröffnung der expopharm 2026 in München. Marcus Freitag (l.) mit Han Steutel, Präsident des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller, Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands, u.a. (v. l.).

Neben der wirtschaftlichen Situation rückte Freitag insbesondere die Wettbewerbsbedingungen im Arzneimittelmarkt in den Mittelpunkt und verwies insbesondere auf den grenzüberschreitenden Versandhandel:Während Großhandel und Vor-Ort-Apotheken die Einhaltung der Vorgaben zur Arzneimittellagerung und -beförderung sicherstellen müssen, fehlt weiterhin eine wirksame behördliche Kontrolle der entsprechenden Temperaturvorgaben bei Versendern aus dem EU-Ausland. Eine im Zuge der Apothekenreform diskutierte neue Rechtsgrundlage für solche Kontrollen wurde letztlich nicht umgesetzt.

Die Frage fairer Wettbewerbsbedingungen griff Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann bei der Eröffnung des Deutschen Apothekertags auf. Mit Blick auf unterschiedliche Vorgaben für inländische Anbieter und Unternehmen aus dem europäischen Ausland sprach er von einer Wettbewerbsverzerrung und betonte, dass gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten müssten. Sein Grundsatz: „Entweder das dürfen beide oder es darf keiner.“

Damit rückte auf beiden Veranstaltungen neben den mit der Apothekenreform erreichten Verbesserungen zugleich eine Aufgabe in den Vordergrund, die über die Reform hinausweist: Eine starke Vor-Ort-Versorgung braucht nicht nur wirtschaftlich tragfähige Strukturen für Apotheken und Großhandel, sondern auch verlässliche und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer.