Sie gehen in die Apotheke Ihres Vertrauens und erhalten Ihr Medikament sofort oder innerhalb kürzester Zeit. Völlig selbstverständlich, oder? Nun, nicht ganz. Denn dieses hohe Versorgungsniveau gründet auf der Leistung, die der pharmazeutische Großhandel Tag für Tag erbringt. Flächendeckend, zuverlässig, meist unbemerkt und unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck.
Was wir täglich leisten – und wie diese Leistung vergütet wird:
Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel beliefert rund 16.500 Apotheken in Deutschland, im Schnitt dreimal pro Tag. Dafür halten die PHAGRO-Mitgliedsunternehmen sämtliche Arzneimittel und Medizinprodukte, die in Apotheken nachgefragt werden, ständig vorrätig. In ihren Lagern liegen ca. 120 Millionen Packungen im Gesamtwert von etwa 3 Milliarden Euro. Diese Leistung ist alles andere als selbstverständlich und kann nur funktionieren, wenn sie angemessen finanziert wird.
Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel sorgt dafür, dass Medikamente sicher bei den Apotheken ankommen. Die PHAGRO-Mitgliedsunternehmen arbeiten nach strengsten Vorgaben u.a. der Good Distribution Practice (GDP). Dazu gehören temperaturüberwachte Lager, Panzerschränke für Betäubungsmittel, gesicherte Zonen für Gefahrstoffe sowie temperaturkontrollierte Auslieferungsfahrzeuge. Über das securPharm-System wird zudem gewährleistet, dass keine gefälschten Arzneimittel bei Patientinnen und Patienten ankommen. Diese Qualitätsstandards erfordern erhebliche Investitionen in Infrastruktur, Technik und qualifiziertes Personal – Investitionen, die angesichts der finanziellen Zumutungen für den Pharmagroßhandel zunehmend schwieriger zu stemmen sind.
Vergütet wird der Pharmagroßhandel über einen gesetzlich festgelegten Zuschlag auf den Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers: bis zu 3,15 Prozent variabler Zuschlag plus 73 Cent Festzuschlag pro Packung. Die Vergütung ist jedoch gedeckelt. Insgesamt erhält der Großhandel maximal 38,53 Euro pro Packung, unabhängig vom tatsächlichen Warenwert. Dieses Vergütungsmodell ist seit 2012 nahezu unverändert. Gleichzeitig sind die Kosten für Personal, Energie und Logistik massiv gestiegen. Hinzu kommt: Der Anteil hochpreisiger Arzneimittel wächst stetig. Unter dem Strich bleibt dem Großhandel immer weniger, um das hohe Versorgungsniveau aufrechtzuerhalten. Es braucht eine strukturelle Anpassung, die Aufwand, Risiko und Verantwortung angemessen widerspiegelt. Keinesfalls darf die Vergütung des Pharmagroßhandels weiter gefährdet werden.
Die Arzneimittelversorgung in Deutschland ist kein Selbstläufer. Dafür, dass sie durch die Apothekenreform gestärkt und nicht geschwächt wird, sind drei zentrale Voraussetzungen entscheidend.
Im Zuge der Apothekenreform sollen Skonti auch auf den Festzuschlag möglich werden. Skonti sind kein zusätzlicher Rabatt, sondern begründen sich durch eine vorfristige Zahlung. Fällt die Vorfristigkeit weg, fehlt der finanzielle Ausgleich für Vorfinanzierung und Risiko. Eine klare Vorfristigkeitsregelung ist notwendig, um Fairness, Planungssicherheit und die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu sichern. Diese Bedingung muss im Verordnungstext zur Arzneimittelpreisverordnung verankert und darf nicht nur in der Verordnungsbegründung erwähnt werden.
Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel hält bei Lagerung und Transport strenge Temperaturvorgaben ein. Für den grenzüberschreitenden Versandhandel gelten diese Regeln jedoch nicht. Arzneimittel, die über ausländische Versandapotheken nach Deutschland gelangen, werden häufig über Paketdienste ohne Temperaturkontrolle transportiert. Das gefährdet ihre Wirksamkeit und verursacht ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Rechtsverbindliche Standards und behördliche Kontrollen müssen auch für den EU-weiten Versandhandel gelten.
Die Vergütung des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels steigt ab einem bestimmten Warenwert nicht weiter – die Kosten für Lagerhaltung, Logistik, Qualitätssicherung und Vorfinanzierung aber schon. Eine Anhebung der Kappungsgrenze ist deshalb notwendig, damit die gesetzliche Vergütung die tatsächliche Leistung des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels verlässlich abbildet – und die flächendeckende Arzneimittelversorgung dauerhaft stabil bleibt.