Zum dritten Mal hat der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) am 14. Oktober 2026 seinen Parlamentarischen Abend veranstaltet. Im vollgepackten Zazou im Berliner Regierungsviertel kamen Vertreterinnen und Vertreter der PHAGRO-Mitgliedsunternehmen ins Gespräch mit Entscheidern aus Regierung, Parlament, Verbänden und Gesundheitswirtschaft. Im Mittelpunkt stand dabei die Zukunft der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland. Der PHAGRO-Vorsitzende Marcus Freitag forderte die Politik auf, die Vergütung des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels anzupassen und für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Für das Bundesgesundheitsministerium betonte der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Georg Kippels die Bedeutung des Großhandels für die Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Der PHAGRO-Vorsitzende machte deutlich, dass eine verlässliche Versorgung dauerhaft nur mit wirtschaftlich tragfähigen Strukturen möglich ist. Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel sichert die flächendeckende Belieferung der Apotheken mit Arzneimitteln. Doch diese Aufgabe steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck: Bei rund 65 Prozent aller Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel deckt die gesetzliche Großhandelsvergütung die entstehenden Kosten nicht mehr.
Zusätzlich verschärft die Rosinenpickerei internationaler Versandhändler den Wettbewerbsdruck, betonte Marcus Freitag in seiner Begrüßungsrede. Während diese wirtschaftlich besonders attraktive Segmente bedienen, gewährleistet der vollversorgende Großhandel die Versorgung in ihrer gesamten Breite. Die daraus entstehenden ungleichen Wettbewerbsbedingungen gefährden die wirtschaftlichen Grundlagen der Versorgungsstrukturen. Freitag forderte deshalb klare politische Konsequenzen: „Die Politik muss sich dem Thema stellen, ungleiche Spieße gehen nicht.“ Wer Versorgungssicherheit ernst nehme, müsse auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür schützen und erhalten.

Handlungsbedarf auch im Bundesgesundheitsministerium gesehen
Staatssekretär Dr. Kippels bestätigte den Handlungsbedarf. Die „gleich langen Spieße“ seien weiterhin ein Problem; das Thema bezeichnete er als „Sorgenkind“. Aus Sicht des PHAGRO braucht es wirksame Kontrollen und ein konsequentes Vorgehen gegen Regelverstöße – gerade dann, wenn ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln politisch nicht mehrheitsfähig ist. Faire Spielregeln und eine auskömmliche Vergütung des vollversorgenden Großhandels sind zentrale Voraussetzungen für eine leistungsfähige Arzneimittelversorgung. Hier muss die Politik dringend nachbessern.
Versorgungssicherheit gemeinsam gestalten
Bereits im Vorfeld des Parlamentarischen Abends wurde im Zazou der Podcast „Alex‘ Doppelte Dosis“ der Pharmazeutischen Zeitung aufgezeichnet. PZ-Chefredakteur Alexander Müller interviewte den leitenden Apotheker und Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr, Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert. Es ging um Arzneimittelversorgung in der Krise und die Resilienz des Gesundheitssystems. Der Podcast kam zu demselben Fazit, das auch in zahlreichen Gesprächen des Parlamentarischen Abends gezogen wurde: Versorgungssicherheit braucht einen kontinuierlichen Dialog, klare Regeln und wirtschaftlich tragfähige Strukturen.
