Großhandlungen, die mit pflanzlichen Drogen, Chemikalien, Essenzen und Mixturen, aber bereits auch mit einigen industriell produzierten Fertigarzneimitteln handelten, schlossen sich 1904 zu dem "Verein der Medizinal-, Drogen- und Spezialitätengroßhändler" zusammen. 1927 waren dem Verband 99 Unternehmen mit 181 Betriebsstätten angeschlossen. Kunden des Großhandels waren etwa 7.300 Apotheken, die 73 Millionen Einwohner im Deutschen Reich zu versorgen hatten.
Im Gründungsjahr 1904 schrieb die Pharmazeutische Zeitung, dass "der deutsche Handel mit Drogen und Chemikalien sehr lebhaft gewesen sei und guten Umsatz erzielt habe. Sehr scharfer Wettbewerb, Rabatte, vermehrte Unkosten durch höhere Steuern und Löhnen, die Aufwendungen für sozialpolitische Zwecke und der Umstand, dass die einzelnen Bestellungen zwar an Zahl zunahmen, aber an Wert sich verringerten, verminderte beträchtlich den Geschäftsgewinn."
War um 1900 der Apothekenalltag noch von der Herstellung von Arzneimitteln geprägt, wozu die Ausgangsstoffe vom Chemikalien- und Drogengroßhandel geliefert wurden, änderte sich das Berufsbild des Apothekers in den 20er Jahren. Die pharmazeutische Industrie entwickelte eine Vielzahl von Fertigarzneimitteln, also im voraus hergestellte Arzneimittel, die in einer zur Abgabe an den Patienten bestimmten Verpackung in Verkehr gebracht werden. Diese Fertigarzneimittel wurden von der chemisch-pharmazeutischen Industrie den Ärzten, Apothekern und Patienten angeboten.
Somit änderte sich auch das Branchenbild des Großhandels, der seine Sortimentsstruktur stets der Nachfrage seiner Kunden – den Apotheken – angepasst hat. Er wurde zum pharmazeutischen Großhandel und kaufte Fertigarzneimittel bei der Industrie ein, die dann die Apotheken vom Großhandel bezogen. Die Vereinigung Chemikalien- und Drogengroßhandlungen wurde zum Verband der pharmazeutischen Großhandlungen, der jedoch nach wenigen Jahren im Rahmen der Gleichschaltung von Verbänden und Vereinen 1933 seine Eigenständigkeit verlor und zum Reichsverband des pharmazeutischen Großhandles wurde mit Sitz in Berlin W 50, Rankestraße 5. 1938 verzeichnete der Reichsverband über 180 (Zwangs-)Mitglieder.
Nach dem zweiten Weltkrieg fanden sich die pharmazeutischen Großhandlungen im Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels – PHAGRO – wieder zusammen, der im Jahr 2004 den 100. Jahrestag seiner Gründung zu verzeichnen hat.
Als satzungsgemäße Aufgaben hat der Bundesverband PHAGRO heute:
- die Verbindung und Zusammenarbeit unter den Mitgliedern zu fördern, gemeinsame Fragen untereinander zu erörtern und zu klären;
- in allen die Zwecke des Bundesverbandes berührenden Angelegenheiten die
Mitglieder zu beraten und entsprechende Informationen auszutauschen;
- die gemeinsamen Interessen aller Mitglieder gegenüber Parlamenten, Regierungen, Industrie, Apothekerschaft usw. zu vertreten;
- den Parlamenten und Regierungen Vorschläge der den pharmazeutischen
Großhandel betreffenden Angelegenheiten zu unterbreiten und auf deren
Anforderungen beratend tätig zu werden.
Der Bundesverband vertritt somit die ideellen und politischen Interessen der gesamten Branche gegenüber den Parteien, Ministerien, Behörden, Marktpartnern und der Öffentlichkeit. Daneben werden die wirtschaftlichen Interessen aller Mitgliedsfirmen vertreten, soweit durch die Besonderheiten des Arzneimittelmarktes Branchenlösungen zwischen den Verbänden der Marktbeteiligten gefunden werden müssen oder die Herstellerneutralität und das Vollsortiment – zwei satzungsbedingte Voraussetzungen für die Mitgliedschaft im PHAGRO – Verbandslösungen erfordern (Detaillierte Branchenlösungen finden Sie unter dem Stichwort
PHAGRO Service). Selbstverständlich ist in diesen Fällen eine enge Abstimmung mit den Verbänden der Marktpartner und oft auch dem Bundeskartellamt notwendig, um eine rechtsichere und verfahrenstechnisch einwandfreie Umsetzung der Verbändelösungen zu gewährleisten.
Der Bundesverband PHAGRO stellt neben diesen Funktionen auch die Mitwirkung des deutschen Großhandels an der europäischen Gesetzgebung über seine Mitgliedschaft im europäischen Verband
GIRP sicher.
Der Bundesverband ist weiterhin direkt in Verfahren zur Weiterleitung der Meldungen der Arzneimittelkommission, in Rücknahmeverfahren für Arzneimittel und in die Abwicklung von Lagerwertverlusten eingebunden. Der Bundesverband PHAGRO vertritt die Interessen der Mitgliedsunternehmen in der Informationsstelle für Arzneispezialitäten -
IFA - GmbH, deren Gesellschafteranteile zu einem Drittel vom pharmazeutischen Großhandel (neben Arzneimittelherstellern und Apothekerschaft) gehalten werden. Eines seiner besonderen Anliegen, die Harmonisierung der Übertragung von Bestelldaten zwischen Industrie, Großhandel und Apothekerschaft, hat der pharmazeutische Großhandel der von ihm gehaltenen Gesellschaft
DATEG mbH übertragen, deren Geschäftsführung im Bundesverband PHAGRO angesiedelt ist.
Heute sind im Bundesverband PHAGRO alle herstellerneutralen pharmazeutischen Großhandlungen vertreten, die ein Vollsortiment führen und die flächendeckende Versorgung sicherstellen. Diese 15 Mitgliedsunternehmen beliefern etwa 21.500 öffentliche Apotheken aus 110 Niederlassungen.